Baker Zyste

 

Es scheint so, als müsste die offizielle Medizin vor der Baker Zyste kapitulieren. Die vielen Internetanfragen (zweithäufigste Suchbegriff) deuten darauf hin, dass es überhaupt keine vernünftige Lösung für dieses Problem gibt. Dabei ist im Prinzip alles denkbar einfach, sowohl die Diagnose als auch die Therapie. Wie verkrampft die Haltung diesem Symptom gegenüber ist, wie unsicher der Therapeut sich fühlt, lässt sich allein schon an der umständlichen, aufwändigen und teuren Diagnostik erkennen. Ultraschall, Magnetresonanz und Röntgen sind inzwischen Standardverfahren. Unterschiedliche Erkenntnisse sind bei keinem dieser Untersuchungen zu erwarten. Dabei kann jeder Laie die Diagnose mit seinen eigenen Fingern stellen (und tut es auch). Die Kniekehle ist dicker geworden, was man ganz gut vergleichen kann mit dem eigenen, anderen Bein. Beugt man das Knie, erhöht sich das Druckgefühl in der Kniekehle. Was jeder auch sofort nach kurzer Zeit bemerkt, bei Belastung nimmt die Schwellung zu, schont man das Knie, wird die Wölbungen wieder flacher. Damit haben wir auch schon den einzig richtigen Ansatz zur Therapie. Ohne Belastung (Druck auf das Knie) gibt es keine Bakerzyste. Die Frage ist, wo her kommt der Druck und wie können wir Ihnen reduzieren?  

 

Die Ursache ist schlicht ein zu hoher Druck

Da es in der Vergangenheit selbstverständlich war, die Ursache da zu suchen, wo man den Schmerz verspürte, ist es auch verständlich, dass man auch an dieser Stelle die Ursachezu finden ist. Inzwischen wissen wir ja, der vom Gehirn ausgesandte Schmerz ist eine Projektion und hat mit einem Schaden nur wenig zu tun. Sucht man im Knie selbst die Ursache von Schmerzen und Deformation (ausser bei Verletzungen und Unfällen), dann kommen nur die überall beschriebenen zwei Möglichkeiten in Betracht, der Gelenkverschleiss (Arthrose, Gonarthrose) oder eine Entzündung (Arthritis, Rheuma, Infektion). Wer mehr über Arthrose wissen möchte, bitte dort nachlesen. Leider (für den Diagnostiker), aber Gott sei Dank (für den Patienten) ist diese Kniegelenkszyste oder Baker Zyste nur eine mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Ausstülpung der hinteren Kniegelenkkapsel. Irgendwelche pathologischen Anzeichen in der Umgebung fehlen, zumindest im Anfang. In der Vergangenheit haben wir den Fehler gemacht, Ursache und Wirkung zu verwechseln. Das ist bisher nicht sofort aufgefalle,n weil es eigentlich keinen logischen Widerspruch gibt.  Die richtige Erklärung und der richtige Ablauf müssen aber folgendermassen sein. Nur wenn wir unser Denken ändern, wird unsere Therapie erfolgreich sein. Erst haben wir eine und Unausgeglichenheit (Dysbalance) im Muskel und Sehnensapparat. Das heisst, ein unterschiedlicher Druck oder Zug wirkt auf die Gelenkoberfläche. Darauf kommt es zu einer Fehlstellung des Gelenks. Dessen Reaktion (wegen der Belastung) ist entweder Verschleiss (dünner, rissiger Knorpel) oder Umbau und Gegenwehr (arthrotische Zacken). Gleichzeitig, aber auch schon vor diesen Veränderungen kann sich einer Baker Zyste bilden. So wundert es auch nicht, dass Menschen, je älter sie werden, immer häufiger Baker Zysten bekommen. Ein längerer Druck in der Kniekehle auf Venen und Nerven kann zusätzlich bei steiferem Gewebe noch zu Thrombosen und Parästhesien im Unterschenkel führen. Die meisten von Ihnen haben inzwischen auch die Erfahrung gemacht, dass die Behandlung frustrierend ist (also wenig nützt). Eine Punktion oder ein operatives Verkleinern der Zyste bringt überhaupt nichts. Die operative Korrektur eines Schadens (Abschleifen von Meniskusrissen) ist selten ein Gewinn und das Spülen vom Kniegelenk verbessert objektiv nichts. Lediglich das Risiko einer Infektion steigt. Ein Rezidiv ist vorprogrammiert.  

 

Wie funktioniert das Kniegelenk

Das Kniegelenk ist von seiner Funktion her ein einfaches Gelenk. Bis auf eine leichte Rotation in der Beugung ist es im Wesentlichen ein Scharniergelenk, das sich eigentlich nur nach hinten bewegen kann. Nach der Seite fehlt eine knöcherne Führung. Gehalten wird das ganze Gelenk durch einen raffiniert angeordneten Bandapparat, der etwas schier Unmögliches leisten soll, nämlich ein Höchstmass an Stabilität zu bieten, was nur bei durchgestecktem Knie mit quasi einem Schnappmechanismus erreicht wird. Gleichzeitig soll das gebeugte Knie beweglich sein. Dieser Tatsache muss man sich besonders beim therapeutischen Gehen, einer Übung zum Ausrichten der Beinknochen, bewusst werden.   Sowohl beim Stehen als auch in der Bewegung ist die Auflagefläche, der direkte Kontakt zwischen Ober- und Unterschenkel, erstaunlich klein, trotz der zusätzlich eingeführten Meniskusscheibe. Die Vorstellung, über diese Fläche würde der Druck des Körpers vom Oberschenkel über das Schienbein auf den Fuss übertragen (das Wadenbein hat keine direkte Verbindung), diese lieb gewonnene Vorstellung müssen wir leider verlassen. Der Knochen würde das gar nicht aushalten. Die Verteilung von Zug und Druck erfolgt über die „weichen“ Elemente des Beins, über die Sehnen und Faszienverbindungen der verschiedenen Muskelsysteme (Tensegrity Prinzip). Die grossen Faszien laufen vom Unterschenkel direkt zum Becken hinauf, umgehen also den Oberschenkel und die ziemlich mächtigen Oberschenkelmuskeln verbinden sich breitflächig rund mit den Oberschenkelknochen (Femur) an dessen Längsseite. So wird das Kniegelenk kaum belastet, wenn die myofaszialen Ketten nicht verkürzt sind und damit eine unnötige Spannung aufbauen. Ein grosser Teil der Kraft wird je nachdem nach oben zu Rumpf und Schultern weitergeleitet oder nach unten zu Unterschenkel und Fuss. Es sind also nicht die paar Quadratmillimeter mit denen sich die Gelenksflächen berühren, die den gesamten Druck aushalten müssen. Die gesamte Oberfläche der Knochen ist dafür zuständig im lokalen Bereich (um das Knie herum). Aber um das nochmal zu betonen, ein Teil wird auch über Myofasziale Ketten in andere Bereiche des Körpers abgeleitet. Die Konsequenz daraus ist folgende. Es wird lange dauern bis ein lokaler Schaden sichtbar wird, da eben nur ein kleiner Teil des Drucks das Knie betrifft. Auf der anderen Seite werden die weiter entfernt gelegenen Bereiche einer Dauerspannung unterzogen, die zu generellen Verschiebungen und Veränderung der Haltung führt. Das Resultat ist, der ganze Körper ist mehr oder minder betroffen. Um das zu verhindern, haben wir eine Menge Zeit, bei fast allen mehrere Jahrzehnte.  

 

Wie kommt es zu einem Schaden im Knie

Oberschenkel- und sogar Beckenmuskeln greifen nach den Unterschenkeln, Muskeln vom Fuss reichen bis zum Oberschenkel. Wenn Muskel, Sehnen und Bindegewebe die richtige Spannung haben werden die Knochen und Knorpel nur wenig belastet. Der Druck wird auf- oder abgeleitet durch die weiter aussen liegenden Spannseile der bindegewebigen Verknüpfung. Sollten allerdings die myofaszialen Verbindungen angespannt und damit verkürzt werden (durch Inaktivität oder einseitige Belastung eines Muskels), so muss sich notwendigerweise auch der Druck auf das Gelenk erhöhen. Eine Zugbelastung nach einer Seite kann der Körper im Prinzip nicht tolerieren, weil damit die beteiligten Knochen zu einer Seite hinüber gezogen würden. Um das Gleichgewicht aufrecht zu halten, müssen die Muskeln, die die Gegenbewegung ausführen (Antagonisten) sich ebenfalls verkürzen. Sonst würde sich das Gelenk in unbrauchbarer Stellung und in grotesk verrenkter Lage befinden. Der Preis für die Gegenreaktion ist aber, dass das Gelenk von mehreren Seiten zusammen gezurrt wird. Die Gewebe in dem Gelenkspalt werden zunehmend mehr zusammengepresst. Damit ist die Versorgung des empfindlichen Knorpels nicht mehr hinreichend garantiert. Da Gefässe diesen wichtigen Teil des Körpers nicht versorgen, ist er auf die Diffusion (Einfliessen) aus der umliegenden Gelenkflüssigkeit angewiesen. Durch die Spannung von allen Seiten wird der Knorpel komprimiert und damit seine Struktur wie ein ausgedrückter Schwamm verdichtet. Das ist das Schicksal vieler Meniskusscheiben. Sie werden steif, werden bröckelig und bilden Risse. Der Körper muss nun reagieren. Was tut er? Er produziert mehr Flüssigkeit, um den Druck zu vermindern und besser zu verteilen (was natürlich nicht gelingt) und versucht dadurch dafür zu sorgen, dass die Knorpel besser ernährt werden. Die Reaktion des Körpers ist nur allzu verständlich. Damit ist die Entstehung der Baker Zyste erklärt.   Das Gelenk ist jetzt auch in Ruhe belastet. Je mehr sich die eine Seite zusammenzieht, umso mehr wird auch die andere sich bemühen, mit zu halten. Der Spalt wird enger (Röntgenbild), der Druck erhöht sich und es kommt zur Bewegungseinschränkung. Wir können aber das Kniegelenk nicht isoliert betrachten.

Kniefehlbelastung. Beim X-Bein sind die Sehnen des Aussenbeins zu sehr gespannt, beim O-Bein die der Beininnenseite.

Es steht im Zusammenhalt mit mehreren funktionellen Spannungslinien oder myofaszialen Leitbahnen, die sich individuell im Laufe des Lebens ausgebildet haben. Ein kleiner Unfall, eine Fehlbelastung, eine unpassende Haltung kann zu einer einseitig verstärkten Verkürzung führen. Ist zum Beispiel die Aussenseite des Beines verkürzt, so biegen sich die Knie nach innen (X-.Beine), eine verspannte Innenseite führt zu O-Beinen. Natürlich gibt es auch Verkürzungen nach vorne und hinten, sowie alle möglichen Mischformen. Das alles könnten wir schon frühzeitig erkennen, wenn wir uns der Bedeutung bewusst wären. Heute noch werden diese Fehlstellungen als mehr oder minder normal betrachtet oder als eine mögliche Variation der Natur toleriert. In dieser Situation wird das Gelenk nicht mehr gleichmässig belastet. Die Kraftvektoren verschieben sich. Die bisher beidseitige, flächenhafte Belastung wird mehr und mehr einseitig und punktuell. Jetzt ist die Gefahr gross, dass erst Knorpel, dann auch Knochen geschädigt wird, richtiggehend aufgerieben, der Beginn einer Arthrose? Das Problem dadurch zu verändern, dass man ein ungleich belastungsfähigeres Material im Körper einsetzt (Stahl oder Keramik), kann nur eine Notlösung sein, nachdem man jahrzehntelang nicht reagiert hat.   Fast alle Kniegelenke mit Schmerzen zeigen irgendwann eine Fehlstellung der Knochen als Folge einer myofaszialen Verzerrung. Ein häufig anzutreffendes Bild sieht so aus. Beide Unterschenkelknochen sind nach aussen rotiert und zwingen den darüberstehenden Oberschenkel auch zu einer Aussenrotation. Ob das bei Ihnen der Fall ist könne Sie sofort nachprüfen, indem Sie sich vor einen Spiegel stellen und Ihre Knie betrachten. Stellen Sie sich vor, aus Ihrer Kniescheibe strahlt ein Licht. Wohin leuchtet es? Wenn Sie Schmerzen haben, wahrscheinlich nach aussen, das linke Knie wahrscheinlich ein wenig mehr.   Nicht selten ist der Oberschenkel nach aussen rotiert, der Unterschenkel aber nach innen (weil der Fuss ebenfalls nach innen abgesunken ist [Senkfuss]). Solch eine Missstellung gilt es zu korrigieren und aufzulösen. Sie glauben, das geht nur mit einer Operation? Weit gefehlt. Es geht nie mit einer Operation, weil die Verspannungsverhältnisse noch einmal mehr verschoben werden. Wenn das Bein wieder im Gleichgewicht ist, die Spannungen der gegenteiligen, myofaszialen Strukturen sich entsprechen, dann richten sich die Knochen ganz von selbst wieder nach dem für ihren Körper idealem Mass aus. Die Haltung wird sich ändern, die Beweglichkeit und Belastungsfähigkeit wird erhöht und die Kraft wird zunehmen. Diese Therapie hat als kurzfristiges Ziel Schmerzen zu beseitigen, langfristig sollen die Knochen verschoben werden.   Mit dem ersten Schritt der Behandlung sollten Sie die verschiedenen Gelenkflächen gegeneinander wieder verschiebbar machen. Wenn bei Ihnen zum Beispiel die Kniescheibe bei gestrecktem Bein nicht seitlich hin und her bewegt werden kann, so sind fibrinöse Ablagerungen auf der normalerweise völlig glatten Hinterfläche dafür verantwortlich. Das ist leicht zu beheben.Kniegelenk bei X-Bein. Der Unterschenkel ist nach aussen verschoben, die Folge einer dauernden Verkürzung der myofaszialen Strukturen der gesamten Beinaussenseite. Der äussere Gelenkspalt wird geschädigt. Kniescheibe zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und zur beiden Seiten hin bewegen. Das wird nicht nach beiden Seiten hin gleich gut gehen. Auf der Seite, die Unbeweglichkeit ist, liegt zu viel Spannung. Wahrscheinlich muss hier die ganze Muskelkette gelockert werden.    Bei fast allen schmerzenden Knien ist das knieseitige (proximale) Gelenk zwischen Schienbein und Wadenbein nicht beweglich. Das bedeutet, dass die beiden eigentlich isolierten Knochen wie eine Säule (also steif) wirken und die Verbindungsfaszie als Ansatzstelle für die Unterschenkelmuskeln ihre differenzierte Arbeit nicht mehr verrichten können. Unterschenkel und Fuss werden unbeweglich ohne differenzierte Bewegung (wie ein Pferdefuss). Das Fussgewölbe sinkt ein, die Sehnen müssen sich verkürzen.   Sie haben jetzt eine ganze Menge über das Kniegelenk gelernt. Sie wissen jetzt nur die zunehmende Verspannung der Muskelketten führt zu einem erhöhten Druck in den Gelenken und zu einer entsprechenden Schmerzreaktion. Als Folge davon kann es zu Veränderungen an den Gelenksflächen kommen. Ein Gleiten wird mehr und mehr schwierig. Schliesslich ist die Beweglichkeit stark eingeschränkt wie in den gerade geschilderten Beispielen von Kniescheibe und oberen Schienbein-Wadenbeingelenk. Die Behandlung verfolgt den Weg zurück. Erst müssen die Gelenke wieder frei gemacht werden und dann die Muskelketten entspannt. Die Zyste allerdings werden Sie nie wieder loswerden. Es sind es liegt an Ihnen, ob Sie sich weiter ärgern lassen. Wenn Sie Ihre Schwachstelle akzeptieren und nach einer Belastung konsequent ihre Übungen machen, werden Sie nichts mehr von ihr hören. Wenn Sie irgendwann nachlässig sind, wird sie sich wieder melden.  

 

Fehlhaltung belastet das Knie

Eine Besonderheit soll noch erwähnt werden, weil sie praktisch alle betrifft, die in einer zivilisierten Gesellschaft leben. Durch Sitzen verkürzte Muskeln und durch gleichförmige Bewegungen verspannte Faszialketten ziehen die gesamte Vorderseite vom Kinn bis zum Knie nach vorne. Fast alle Erwachsenen versuchen das zu kompensieren, solange Sie noch genügend Rückenmuskulatur haben. Grob gesagt sieht dann eine Silhouette von der Seite so aus, dass der am weitesten nach vorne ragenden Teil der Bauch ist. Schultern und Füsse stehen weiter hinten (wie ein kleiner als Zeichen= <). Für die Beine bedeutet das, die Waden sind völlig verspannt, weil sie das Gewicht des ganzen Körpers nach hinten ziehen müssen und die Oberschenkel sind genauso verspannt, weil sie eine Gegenkraft dazu aufbauen müssen. Der leidtragende liegt dazwischen, das Knie. Sie ahnen es. Eine endgültige Bereinigung des Knieproblems  wird erst dann gelungen sein, wenn die Dysbalancen in der Haltung einigermassen ausgeglichen sind.  

 

Tests

Ihnen ist bislang die Fehlstellung in Ihrem Knie nicht aufgefallen? Machen Sie folgenden Test: Markieren Sie auf ihrer fast kreisförmigen Kniescheibe den inneren und äusseren Rand mit einem Punkt. Nun suchen Sie den groben Höcker unterhalb auf dem Schienbein auf. Er ist gut zu tasten, denn er liegt unmittelbar unter der Haut, und machen dort ebenfalls einen Punkt. Die drei Punkte sollten jetzt ein gleichschenkliges Dreieck ergeben. Sie können jetzt selbst beurteilen, wie weit das Schienbein nach aussen oder innen gebogen ist. Wenn der untere Punkt in die Mitte zeigt, ist der Unterschenkel nach innen verschoben, wenn der untere Punkt mehr nach aussen liegt, dann ist der Unterschenkel nach aussen gedreht.

Noch ein Test, der die Frage beantwortet, sind die Unterschenkelmuskeln gleichmässig gespannt? Sie lassen die Füsse der gestreckten Beine zum Beispiel 30 cm aus dem Bett ragen. Entspannen Sie die Beine und ziehen nun langsam die Füsse zu sich hin (die Zehen bewegen sich auf Ihr Gesicht zu). Bleibt der entspannte Fuss in derselben Ebene oder weichen die Füsse (oder einer der Füsse) nach innen oder aussen ab? Wenn ja, ist etwas nicht in Ordnung.